Sparkassenkonzert

Konzert-Menü

Am Abend fand dann das erste Konzert unserer "Mobilen Einheit" in der Sparkassenkantine statt. Es war ein Konzert-Menü für die Vorstände der unterfränkischen Sparkassen. Diese "incentive-Idee" hatte Wolfgang sich einmal ausgedacht, als er im Würzburger Maritim-Hotel als Kellner gejobbt hat. Es handelt sich um eine abwechselnde Folge von Speisen- und Musikgängen, die durch die Moderation fließend miteinander verbunden werden. Da ist also ein richtiges Konzert ohne Nebengeräusche, ohne daß die Kellner an den Tische bedienen, die Leute hören ein paar Minuten für ein Musikstück konzentriert zu, und dann wird nach dem Applaus der nächste Menügang aufgetragen. Der Geschmackssinn bekommt einen Genuß, dann sind wieder die Ohren dran, und das Ganze entwickelt sich auch durch die Moderation zu einem synästhetischen Sinnesverschmelzungserlebnis!

Nach dem Konzert stellt sich Wolfgang vor das Publikum und fragt: "Wollen wir so etwas wie 'Wetten, daß...' machen? Wetten, daß ich diesen Flügel" - huch, er meint mich! - "alleine die große Treppe zum Erdgeschoß hinunterbringe?" - Die Leute stießen ein verständnisloses Lachen aus und dachten, sie würden auf den Arm genommen. Sagte Wolfgang: "Ja, ganz bestimmt, ich meine das ernst! Wenn Sie noch ein paar Minuten verweilen möchten, dann lassen Sie sich einmal vor Augen führen, wie das geht." Jetzt kam ein Gemurmel auf. Die Leute wurden wirklich neugierig und dachten: Was macht er denn nun?

Flugs war pianoplan aus dem Versteck gerollt, und mit einminütiger Hilfe von drei Männern hievte man mich darauf hoch, schnallte mich fest und fuhr zu dem ersten Treppenabsatz, gefolgt von der Gesellschaft von Damen und Herren. Da Wolfgang noch wenig Übung hatte, wurde das erste Abkippen von der Horizontalen in die Treppenschräge etwas ruppig. Und ich rutschte 10 cm in den Gurt hinein, der sich ausdehnte von meinem Gewicht. Sie hätten den Schrei der Damen hören sollen, als sie dachten, ich würde jetzt die Treppe hinunterkollern. Wolfgang schwitzte mehr, als vorher beim Hinauftransport, alleine deswegen, weil ich an dem Abend ja auch noch nicht einmal versichert war! So schnell klappte das alles noch nicht; bedenken Sie, es standen nur sechs Tage zur Verfügung, um alles auf die Beine zu stellen.

Als wir dann die beiden Treppenabsätze überwunden hatten, und ich unten in der Schalterhalle der Sparkasse aufgestellt war, gab es natürlich einen herzlichen Publikumsapplaus. Das hatten die Herrschaften wirklich noch nie gesehen, daß der Pianist im Frack gleich den Flügel über die Treppe transportiert. Ich fühlte mich auch ganz wohl, denn jetzt wurde ich einmal nicht nur durch meinen Klang dem Publikum vorgestellt, sondern auch die Arbeit des Transportiertwerdens trat in ihr Bewußtsein. Denn es ist ja bei einem so schweren Flügel, ich wiege übrigens 370 kg, ohne ein bißchen dick zu sein, gar kein Pappenstiel.

Am nächsten Tag ging es einige Stunden während der Schalteröffnungszeiten hoch her, besonders vormittags zwischen neun und zehn und mittags zwischen elf und zwölf Uhr. Als die meisten Leute da waren, spielte Wolfgang unermüdlich schöne klassisch-romantische Klaviermusik und erfreute die Leute.

Hören Sie nun ein Musikstück,
einen Walzer von Frédéric Chopin in cis-moll.
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Da er zu mir so schnell gekommen war, wie die sprichwörtliche Jungfrau zum Kind, hatte er noch gar keine Dach für mich über dem Kopf. Deswegen durfte ich noch ein paar Wochen in der Schalterhalle neben dem Weihnachtsbaum stehen bleiben und schmückte sie alleine durch die mir gegebene Form, ohne dabei Musik zu machen.

Wolfgang machte zwischendurch ein paar Ausfahrten mit dem pianoplan, um für seine Schüler Klaviere zu transportieren. Am 17. Dezember wurde ich noch einmal in die andere Hälfte der Schalterhalle gerückt, und es gab ein kleines Konzert als Dankeschön für die Mitarbeiter der Sparkasse. Sie erfreuten sich genauso, wie vorher die


Foto: CCC

Direktoren. Auch an dem "Virtuos" von Wilhelm Busch, der als multimediales Arrangement zusammen mit Diapositiven synchronisiert dargeboten wurde. Dabei werden die berühmten Karikaturen genau zeitgleich zum Arrangement (Wolfgangs Werk) von Stücken Chopins, Beethovens und Liszts gezeigt und musikalisch gesteigert....

Tags drauf sollte ich zum ersten Mal in Zusammenarbeit mit Wolfgang für einen Presssetermin zur Verfügung stehen. Als er mich morgens wieder in den Transporter einlud, am Mittwoch, den 18. Dezember, hatte er die beiden örtlichen Zeitungen eingeladen, und sie kamen mit Fotografen. Dann fuhren wir extra noch einmal den ersten Treppenabsatz hinauf, um mit den Fotografen ein günstiges Foto zu bringen. Es wurde glücklicherweise meine Unterseite fotografiert, die jetzt so, wenn ich hochkant stehe, natürlich schöner aussieht, als der schwarze Deckel. Man erkennt die kräftigen Balkenverstrebungen (Rasten), die den Rahmen halten und in heller Farbe dann den Klangboden, sozusagen meinen Lautsprecher. Und da ich hochkant auf der Transportraupe stand und die Raupe wiederum schräg mit mir auf der Treppensteigung, gab das ein beeindruckendes Foto, das in beiden großen Würzburger Zeitungen gleichzeitig veröffentlicht wurde und bei den Lesern eine große Resonanz über Jahre gefunden hat.


Foto: Heußner

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