pianoplan

Pianoplan-Vermittlung

Am Dienstag, den 5.Mai hat Wolfgang einigen Streß ohne mich, aber mit pianoplan: Er fährt nach München zur Musikhochschule, um eine Demonstration für eine große Münchner Spedition zu machen, daß er alleine mit einem Flügel die Treppe hinauffahren kann. Der Spediteur, Herr Hörmann, ein netter Mensch, bringt gleich einen 274 cm langen Konzertflügel mit, um die Probe aufs Exempel zu machen.

Wolfgang fährt los die äußere Freitreppe zum Seiteneingang hinauf, und die Mitarbeiter der Spedition staunen nicht schlecht, daß dies so alleine geht. Dann kommt die große Treppe bis zum ersten Absatz. Alles klappt ausgezeichnet.

Nur oben rutscht plötzlich der ausgefahrene Ausleger mit der Bedienungseinheit wieder zusammen in die Ladefläche, und das Gleichgewicht verschiebt sich bedrohlich nach treppabwärts. Die Feststellschraube war nicht genügend "festgeknallt" worden, Wolfgang war auch keinen so großen Flügel gewöhnt. Die Erfahrung hat ihm aber gereicht, so daß er künftig immer schön festzog und außerdem noch dem Konstrukteur die Anregung gab, hier einen einrastenden Bolzen wie am anderen Ende des pianoplan für den Haltedorn zu verwenden.

Von hier aus ging es gleich weiter nach Stuttgart zu Herrn Wilfried Geyer von IBM, der für die Kundenprogramme zuständig ist. Es war eine Veranstaltung ins Auge gefaßt worden, und Wolfgang sollte mit Hern Geyer einmal den möglichen Ort begehen, um alle Möglichkeiten und Risiken zu klären.

Später fand noch ein zweiter Besuch statt als Vorgespräch: So intensiv, gründlich und perfektioniert hat Wolfgang noch nie eine Veranstaltung vorbereitet, es ging eben alles mit computisierter Genauigkeit zu, wie es sich auch für einen solchen Top-Anlaß gehört. Immerhin sollten die besten Geschäftsfreunde des Chefs der Niederlassung Südwest kommen, lauter sogenannte VIPs, alles auf Sicherheitsstufe "Eins"! Traurig, wenn man für seine verantwortliche Arbeit auch noch so bedroht wird, daß man Bewachung braucht...

Am nächsten Tag war das aufregendste Ereignis die Lieferung eines Computer-Klaviers an einen neuen Privatschüler von Wolfgang. Er ist Zimmermann, fing bei null mit Klavierspielen an und war so mutig und vernünftig, sich gleich ein solch modernes Klavier zu kaufen, mit dem er noch spielender lernen konnte.

Auch wenn damit die pädagogischen Möglichkeiten erweitert sind, bleibt einem doch die Arbeit an sich selbst in keinster Weise erspart. Günter machte zwar schnelle Fortschritte, doch mußte und muß er sie sich hart in der wenigen Freizeit neben der Berufstätigkeit erkämpfen.

Rosengarten-Pavillon

Dann kam zum Rosengartenpavillon einmal ein Freund mit seiner Flöte, und die beiden Musiker spielten einige Stücke vom Blatt. Da nur wenige Zuschauer das ehemalige Landesgartenschaugelände besuchten zur Frühjahrsschau, konnten sie sich ohne Hemmungen verspielen, ohne daß ein aufgebrachtes Publikum mit Tomaten werfen würde...

Ein schöner Moment für Wolfgang war an einem Morgen, als eine ganze Gruppe von Rollstuhlfahrern an dem Pavillon vorbeikam und sich riesig über ein klassisches Konzert freute, das es sonst sicher selten für sie geben würde. Am 19. Mai wurde ich dann schon wieder eingeladen und nach Aub gebracht zum dritten Ärzte-Klavierkurs. Wolfgang zog diesen Transport zeitlich vor, um am Donnerstag auf der Frühjahrsschau spielen zu können und dann gleich ohne aufwendigen Transport nach Aub gehen zu können.

Mittwoch kam noch die Klavierschüler-Klasse von Herrn Rudi Schmitt in den Pavillon, um sich mit dem Computerflügel vertraut zu machen. Es waren fast 200 Einladungen an alle Klavierlehrer im Würzburger Raum gegangen, mitsamt ausführlichen Prospekten, damit sie eine kostenlose Gelegenheit hatten, sich mit einem zeitgemäßen Lehrmittel vertraut zu machen. Aber was kam an Rücklauf? Ganze zwei Lehrer kamen mit ihren Schülern dorthin! Ist das lebendiger und zeitgemäßer Unterricht, oder was machen die da eingentlich immer mit ihren Schülern???

Hobby-Pianist mit amputiertem Fingerglied

Nun begann also am Donnerstagabend der dritte Ärzte-Klavierkurs. Diesmal wurde Wolfgang von Johannes Kommoss assistiert, der am Anfang des Jahres die Anregung gebracht hatte, die Kurse doch fortzusetzen. Die Teilnehmer konnten sich beliebig ihre drei Stunden aufteilen, zwei bei dem einen, eine beim anderen Dozenten.

Die fortgeschritteneren kamen zu Wolfgang. Da war eine Physikumskandidatin, Heidi Eckrich, die viel Repertoire der höchsten Schwierigkeitsstufe spielte, so daß den anderen die Ohren schlackerten. Die Arbeit mit ihr brachte natürlich viel Spaß.

Genauso interessant war auch die "Evolution" auf dem Wege dorthin, an der die anderen arbeiteten. Ein Kollege, Wolf-Jakob Neff, konnte sogar trotz eines um das Endglied verkürzten vierten Fingers rechts mittels der Ellenberger´schen Abrolltechnik regelmäßige Läufe in der Beethoven-Sonate op.  49,2 lernen, was er zuvor kaum für möglich gehalten hatte.

Hören Sie nun die Sonatine G-dur op. 49,2 von Ludwig van Beethoven.
Sie müssen dazu online sein. Wählen Sie Ihre Leitungsgeschwindigkeit:
ISDN (64 KB/sec)
DSL (512 KB/sec)

Allen Ärzten brachte es große Freude, auf mir spielen zu dürfen, wenn die Marathon-Unterrichtszeit vorrüber war. Sie spielten bis in die Nacht hinein. Um ein oder zwei Uhr beschwerte sich dann die Nachbarin. Denn ich stand in dem Foyer unten, das nur einfach verglaste Türen zum Hof hatte.

Der Saal dagegen, in dem ein alter Steinway-Kollege steht, ist doppelt gefenstert, und man kann dort rund um die Uhr üben, ohne jemanden zu stören. Diese Grenzerfahrung mit der Nachbarin führte dann auch dazu, daß ich bei den folgenden Kursen in das Eßzimmer gestellt wurde: Das reicht auf den Marktplatz hinaus, wo niemand gestört wird.

Ein Arzt konnte sehr gut Unterhaltungsmusik spielen, das tat mir auch einmal gut; bloß nicht immer nur Klassik! Etliche hatten großen Spaß, vierhändige Stücke zu spielen, insbesondere der unsterbliche Diabelli mit seinen melodischen Übungsstücken hatte Erfolg. Wolfgang hatte schon in seinen ersten Klavierstunden damit Umgang, und die Stücke gefallen ihm nach 28 Jahren immer noch wie früher.

Eine Ärztin, die Kinderpsychiaterin ist, konnte mit meiner klanglichen Hilfe etwas motiviert werden, aus sich herauszugehen, frei nach dem Motto von Gieseking: "´Rin in die Fresse und drauflos!" Das soll er gesagt haben, als man ihn fragte, wie er die wuchtigen Akkorde am Anfang des Tschaikowsky-Klavierkonzertes technisch so brillant gestalten würde, ob mit Handgelenk, oder wie...

Der Psychiater Kurt Eichinger aus Cham war schon zum zweiten Mal dabei. Er hatte beim ersten Kurs mit einer anderen zeichenbegabten Pianistin das "Handbuch zur Ellenberger-Methode" skizziert mit herrlichen handkolorierten Karikaturen und etwas gedichtetem Text.

Eine Teilnehmerin kam aus dem Osten Deutschlands, eine erfreuliche Tatsache nach der Öffnung. - Mit dem Assistenten und Wolfgang und den anderen Klavierspielern entspann sich ein Disput über die "richtige" Technik am Flügel. Der eine wollte es mehr vom Kopf, der andere mehr vom Körper, noch einer mehr aus den Fingern... Wenn 12 Fachleute zusammen sind, gibt es dreizehn Meinungen!

Zwischen zwei BMWs

Am Freitagabend war Wolfgang noch zusätzlich beschäftigt. In der Kitzinger BMW-Filiale gab es eine Promotion für einen neuen Achtzylindermotor unter dem Motto "Achte Symphonie". Dazu wurde ein Seiler-Flügel (aus der Fabrik am Ort) zwischen das neue Modell und einen Oldtimer-BMW gestellt, hübsch schräg angeordnet, so daß die Musik in diesem Ensemble ganz augenfällig als verkaufsfördernder Faktor die Promotion unterstützte.

Es gab ein Konzert-Menü mit mehreren Gängen, die zwischendurch mit erklärten Musikstücken gespickt waren. Einige Sportfans wollten nicht so richtig ruhig sein bei der Musik, trotzt einiger Hinweise mit dem Zaunpfahl. Da griff Wolfgang zu einem bewährten Mittel. Vor dem Beginn der "Mondscheinsonate" von Beethoven hielt er solange inne, bis der willige Teil des Publikums den unwilligen ausgezischt hatte, und es mucksmäuschenstill wurde!

Der 2. Bürgermeister

Am Montagabend war ich dann endlich wieder zu Hause. Dort erzählte mir Wolfgang von einem Besuch des zweiten Bürgermeisters von Würzburg, Herrn Dr.  Fuchs, im Rosengartenpavillon. Er ist für die Kultur zuständig - übrigens selbst Kinderarzt - und begutachtete die Skulpturen von Anders Tinsbo, die um den Pavillon herum aufgestellt waren, und hörte sich Musik vom Flügel

an. Dann sprachen die beiden über das projektierte ClassiCulturCentrum in der unteren Mainmühle, wo dauernd genutzte Räumlichkeiten für die Kultur eingesetzt werden sollten. Doch bis sich da in der Politik etwas bewegt....

Anders Tinsbo

Die Skulpturen von Anders Tinsbo waren eine spontane Idee von Wolfgang, um Kultur nicht nur einseitig zu betreiben, sondern auch die schöne Umgebung im Zusammenhang mit bildender Kunst miteinzubeziehen. Anders ist der bekannteste dänische Bildhauer.

Seine Mentalität kann sehr gut mit dem Satz "Ich abstrahiere nicht - ich konzentriere" umschrieben werden. Er hat eine phantastische Innenschau der Formen und Farben und setzt sie um zu zeitlosen Gebilden, die den Betrachter nach innen führen und seine Phantasie zu Deutungen anregen. Wenn ihm dann ein Rateversuch angetragen wird, wie das Werk heißen könnte, dagt er immer: "Stimmt!" Denn er weiß, daß Kunst eben im Betrachter entsteht.

Für die Aktion im Rosengarten hatte ihn Wolfgang einfach in Kopenhagen angerufen und gesagt, daß er vier bis sieben Skulpturen sieben Wochen lang ausstellen könnte, wenn er sie herbrächte. Eine Woche später war er dann schon mit seinem Auto vollgeladen gekommen und die beiden haben zwei Tage zur geeigneten Präsentation Material für Sockel gesucht und sie schließlich aus rohen Betonsteinen gestaltet.

Anders setzte die Preise für die Skulpturen extra niedrig an für Provinzverhältnisse. Jedoch auch dies ging an der Bereitschaft des Würzburger Publikums leicht vorbei, sich eine Skulptur selbst zu kaufen! Immerhin, etliche Besucher konnten die Kunstwerke wirklich genießen und Erkenntnis daraus gewinnen. Das war die Mühe schon wert!

Zurück Weiter

Reisetagebuch Sparkassenkonzert Verlagshaus Ballett Der Einzug 1. Ärzteklavierkurs Scala pianoplan Jam Sessions Der Sechzigste Begleiter?? Würzburg! Musiktherapie Residenz Urlaub HANSETRANS MusikLinks Making Of eBook