
Sowohl für Wolfgang und Ute, als auch für mich. Die beiden machten ein Vierteljahr nach ihrer Hochzeit endlich eine sechstägige Flitterwoche. Ein bißchen Streß muß es gewesen sein:
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1. Tag: Bis in die Schweiz, Grindelwald, kleine Wanderung zum "Männlichen", durch den Lötschbergtunnel zum Lago Maggiore. | |
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2. Tag: Die "Isola Bella" besichtigen, nach Milano, das Museum des Teatro alla Scala besichtigen, die Galleria, den Duomo, weiter zum Parkplatz am Gardasee auf der Halbinsel Sirmione. | |
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3. Tag: Baden und ein Besuch von Piero Salvaggio und Fiorenza bei Verona. Wolfgang hatte mit diesem liebenswürdigen Korrepetitor-Kollegen vom Ballett der Scala einmal intensiv gearbeitet und auch zusammen gewohnt. Jetzt hatte Piero schon eine Familie mit Fiorenza aufgebaut mit zwei Kindern. Dankenswerterweise stellte das Pressebüro der Arena von Verona zwei Karten für die abendliche Aufführung von Verdis "La Traviata" zur Verfügung! | |
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Der 4. Tag brachte die beiden nach Venedig, Wolfgangs Zielwunsch für die Hochzeitsreise. Der Besuch auf dem Markusplatz, beim Teatro "La Fenice" (leider geschlossen) und vor allem der Ausflug mit Fähre zum Lido di Venezia und das Baden am Strand waren sehr reizvoll. Gleich ging es weiter bis nach Trento; nach kurzem Aufenthalt bis in die Trentiner Dolomiten zum Lago Tovel; ein Juwel an Bergsee mit lauter Dreitausendergipfeln drumherum, jetzt konnte er ihn mit Ute gemeinsam genießen. Die beiden hatten bisher immer im Transporter ganz gemütlich auf Matratzen übernachtet. Die erste Nacht beim See in den Bergen wurde allerdings so kalt, daß sie dann nach dem | |
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5. Tag mit Spaziergängen und Besuch beim Freund Diego im Hotel "Lago Rosso" am Ufer des Sees nächtigten, was ihnen sehr gefiel. | |
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Auf der Rückfahrt am 6. Tag wollte Wolfgang unbedingt den wunderschönen Passo Gavia wiedersehen, den er einmal mit seinem Freund Lorenzo Militello aus Mailand besucht hatte. Um dorthinzukommen und dann weiter nach Würzburg, wurden insgesamt sechs Pässe überwunden: Der Tonale, Gavia, Stelvio, Umbierto, Reschen und Fernpaß! Ein einziges Genudel um ungezählte Serpentinen.... Ein Glück, daß ich nicht dabei war, mir wäre schwindelig geworden und ich wäre in eine Schlucht gestürzt. |
Alstervergnügen mit Folgen
Für ein bißchen Werbung sollte ich mit Wolfgang beim Hamburger Alstervergnügen, einer enormen Massenveranstaltung, mitwirken. Rund um die Binnenalster sind hunderte von Buden aufgebaut, einige Bühnen und auf dem Alsterschiffanleger eine große Hauptbühne. Dort sollten wir innerhalb von einer Stunde, die nachher tatsächlich nur aus 50 Minuten bestand, weil die vorher auftretenden Künstler sich nicht an das Timing hielten, auf die Bühne klettern, aufbauen, spielen und wieder hinunter! Mit der professionellen Moderation von Carl Heinz Hollmann und unter Applaus des Publikums gelang dies sogar und die reine Musik dauerte etwa eine halbe Stunde. Zur Ankündigung der Veranstaltung bauten wir uns neben einem Alsterschiff auf, in dem die Pressekonferenz stattfand.
Einen anderen Auftritt hatten wir auch am Jungfernstieg vor dem Stand des ZDF, Klassenkamerad Hans Pehmöller half beim Abbau.
Einen Tag spielten wir noch in der Eingangshalle der just eröffneten Hamburger Messe "Du und Deine Welt".
Bei einem Spaziergang im Zentrum trafen Wolfgang und Ute einen alten Freund der Deutsch-Polnischen Gesellschaft, der Wolfgang 1978 engagiert hatte für ein Konzert in Norderstedt; damals mit einem von Yamaha gesponsorten C 7-Flügel!
Nun war er zum Revisionsleiter einer großen Privatbank aufgestiegen und sagte Wolfgang eine persönliche Bürgschaft für meinen großen Bruder zu. Dieser war der letzte von sechs Imperials, die aus dem Mietpark in Lichtenfels veräußert wurden. Durch die Zusage wurde der langgehegte Wunschtraum Wolfgangs wahr, zu dem ich gewissermaßen ein "Trittbrett" bin...! Dennoch kein Grund zur Sorge. Er erhoffte sich eine so gute Auftragslage, um uns beide halten zu können; hoffe ich auch!
Jonglieren mit zwei Flügeln
Zuerst spielte ich auf zwei Klavierkursen, die an aufeinander folgenden Wochenenden im Hotel garni Hettstadt geplant waren, der Transport ins Untergeschoß war spannend. Wolfgang hatte im Vorwege die Kellertreppe vermessen und ausreichenden Platz festgestellt.
Als der Termin kam, fehlten noch Bodenkacheln, und wir mußten außenherum durch den Garten in eine Kellertüre, an die seitlich ein fünfstufiges Treppchen führte. Eine 90 ° Wendung wäre undenkbar gewesen. Also mußte der Wirt eine Abfahrt wieder freigraben, um den Kurs durchführen zu können. Insgesamt war das Hotel nett, sauber und geräumig, aber akustisch zu hellhörig für einen Klavierkurs, deswegen blieb es bei diesen zwei Terminen.
QLB
ist das originelle Autokennzeichen für Quedlinburg, wohin Wolfgang nach den Kursen einen der beiden Flügel fuhr, die er an Teilnehmer vermittelt hatte: Uta Walter, die ihr Ost-Klavier aus Leipzig bereitgestellt hatte, kaufte sich einen kleinen Yamaha-Flügel, auch Renate Müller-Ranné, die ungeschlagene Vielbucherin für die Kurse.
Uta war eine der aus den neuen Bundesländern stammende Ärztin, die mit ihrem Mann in unglaublicher Inititative eine repräsentative Praxis in Quedlinburg aufbaute. Wenn die Praxis nur nicht so viel vom Üben abhalten würde! Auch die Anlieferung des zweiten Flügels bei Renate in Springe war eine nette freundschaftliche Begegnung mit einer Landärztin, die sich noch für ihre Patienten Tag und Nacht aufopfert.
Russische Grande Dame??
Als Wolfgang mich mal wieder durch Anwesenheit beehrte, brachte er eine russische Pianistin mit zu Besuch, die eigentlich sehr schön spielte. Über Klaviertechnik mochte sie sich nicht so recht mit ihm austauschen, ich bekam den Eindruck, sie baute sich wohl auf der Basis ihres recht guten Spiels einen "Nimbus" auf, der nicht mehr kritisch hinterfragt werden sollte.
Geradezu Prima-"Tonnen"- Allüren würde ich es nennen, daß sie dann bei Wolfgang jammerte über ihre Armut, in der sie in ihrer Heimat Petersburg wohnte und um Konzertengagements bat; und als er ihr aber nach großer Überzeugungsarbeit beim Kulturamt Würzburg (längst nach Abschluß der Planungen) ein Konzert auf der laufenden Mainfrankenmesse beschaffte, war sie sich zu fein, dort aufzutreten.
Herbstliche Musiktage
in Bad Urach, geleitet von Hermann Prey; hier wurde ich mit einem gleich großen Bruder aus Lichtenfels gebraucht. Die Stadthalle des kleinen Ortes hat eine meterhohe Bühne, aber nur kleine Treppchen seitlich quer weg ohne Platz für einen Flügel, weil so nah an der Wand.
So mußte Wolfgang seine Holzrampe anlegen. Um sie zu sichern, war es nötig, zwei 10 mm große Löcher für Sicherungsbolzen an den Bühnenrand zu bohren. Die Männer staunten, als ich einfach mit pianoplan da hochfuhr, nachdem sich bei vorigen Anlässen immer fünf Mann geplagt hatten! Wir wurden für unsere Mühe belohnt, indem wir ein reichhaltiges Programm mit von Hermann Prey präsentierten Künstlern und Sängern mitgestalten durften.
Derweil fuhr Wolfgang den Imperial 8955 auf die Mainfrankenmesse in Würzburg und traf seinen Vater, der zu einer Fachtagung aus Hamburg gekommen war, und der ihm einen Scheck überreichte, um die ganzen Kosten für den Bezug eines neuen Hauses mitzutragen: Wir sollten in Leinach an der Hauptstraße in ein richtiges Wohnhaus ziehen. Damit ich hineinkonnte, durfte Wolfgang das Geländer vor der Haustüre so absägen, daß ich geradeaus durch die Türe konnte. Natürlich wurde es dann von einem Fachmann so befestigt, daß es jederzeit wieder abnehmbar war.
Ruhigere Zeit.......
Nachdem ich aus Bad Urach wiederkam, streßte Wolfgang gleich weiter: Am nächsten Morgen um 7.00 Uhr wurde mein gleich großer Bruder in Lichtenfels abgegeben, er spielte vormittags noch auf der Messe, dann packte er 8955 ein und spielte abends auf einer Jahrestagung der Außendienstmitarbeiter der Schwäbisch Hall-Bausparkasse im Maritim-Hotel Darmstadt!
Das sagt doch alles. Die großen Fische bekommt jetzt der 8955, ich darf zu Hause stehen und nur gelegentlich auftreten. Andererseits lerne ich dadurch die Vorzüge eines stabileren Lebens kennen - auch nicht schlecht. Durch meine Fabrik bekommt Wolfgang mit dem großen jetzt monatlich Vermietungsaufträge, um die höhere Finanzierungsbelastung tragen zu können.
Leider halten die Manager nicht das, was sie ihm versprochen haben. Etwa nur ein Drittel der Vermietungen bekommen die beiden, und das nur für zwei Jahre. Dann ist es aus damit und Wolfgang ist berechtigt sauer auf die partnerschaftliche Verbindlichkeit der Bösendorfers in Wien. Vielleicht hat er veraltete Vorstellungen von Verbindlichkeit? Oder muß man jede Kleinigkeit immer nur vertraglich regeln? Das macht das Leben richtig schön...
Jazz2
Zwei turbulente Wochenenden gab es dann doch noch einmal in Würzburg im November 1993: Ich spielte ein paar Tage beim Jazzfestival im Stadtteilzentrum Grohmbühl in Würzburg, der 8955 war im Rathaussaal, wo der 12. Klavierkurs mit drei Teilnehmern nebenbei unterrichtet wurde, und wo ein Rathauskonzert am Sonntagmorgen stattfand, derweil fuhr Wolfgang den kleinen Bruder aus Lichtenfels nach Karlsruhe.
Am Samstag danach kam ich in die Scherenbergstuben auf der Festung Marienberg zum Orthopäden-Kongreß. Beim Gesellschaftsabend spielten zwei Ärzte auf mir und dem mittlerweile aus Karlsruhe zurückgeholten Bruder eine Session, wie sie im Buche steht.
Operette & Musical
durfte ich jetzt begleiten; Wolfgang und Ute übten ein Lied-Programm für zwei Auftritte in der Kurhalle Bad Kissingen und im Kursaal Bad Bocklet. Das Programm war äußerst reizvoll, sang Ute doch mit unübersehbarem Schwangerenbauch begleitet von ihrem Mann, den sie dabei auch noch im Nacken kraulte: "Warum soll eine Frau kein Verhältnis haben..." Immerhin haben die beiden es endlich nach einem knappen Jahr der Ehe geschafft, etwas gemeinsames Musikalisches auf die Beine zu stellen!
Ansonsten kommen immer wieder Schüler von nah und fern, Wolfgang erklärt ihnen mit Geduld immer das Gleiche, und doch jedesmal ein bißchen anders. Mein Deckel bleibt meistens geschlossen und es liegen Noten, Akten, Papierberge von Zahlungsbelegen jedes Vierteljahr auf mir herum, die Wolfgang für die Buchführung sortiert.
Dann gibt es endlich auch Proben mit PKW, der vorher erwähnten zahnärztlichen Profi-Sängerin. Aufgrund ihres enormen Stimmvolumens muß ich ganz schön viel geben, um sie adäquat stützen zu können. Mit ihr fanden dann drei Liederabende statt:
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Im Autohaus Schirmer Hildesheim | |
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Bei den Kulturtagen im Juliusspital Würzbug | |
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Im Maritim-Hotel Braunlage |
Schirmer ist vorbildlich für ein Autohaus, das Kultur vermittelt. Da seine Tochter Pianistin ist, hat er im Gebäudekomplex des Autohauses einfach einen Konzertsaal gebaut und veranstaltet eine anziehende Konzertreihe mit jungen Künstlern. Das sollten ihm noch mehr Autohäuser oder auch andere Firmen nachmachen!
Ein paar Klavierkurse absolviere ich noch im Schloßhotel Vellberg, meistens im Frühstückszimmer, von angenehmen Düften umgeben, aber auch im großen Saal; besonders erinnere ich mich an einen Kurs mit Detlef Kraus, der mich mit seinem unerschöpflichen Repertoire zu Demonstrationen und musikalischen Erklärungen für die nur vier Teilnehmer erfüllte.